Sankt Gertrudis

 
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„Warum lässt Gott das zu?“ lautete das Thema eines mit fast 30 Zuhörern gut besuchten Vortrags- und Gesprächsabends  von evangelischem Sozialseminar und katholischem Bildungswerk am vergangenen Montag Abend.

Zu Beginn des Vortrags stellte der Referent Prof. Dr. Michael Beintker heraus, dass man die Frage wie Gott, auf dessen Güte der Glaube baut, Ereignisse zulassen könne, die unfassbares Leid über die Betroffenen bringen, nicht beantwortet werden könne, obwohl sich viele Philosophen und Theologen seit der Antike intensiv damit beschäftigt hätten.

vortrag_prof._beintker001.jpgEr beleuchtete dann einzelne Aspekte des griechischen, römischen und christlichen Denkens, die den Widerspruch zwischen der Allmacht des Schöpfers und der Liebe Gottes zu seiner Schöpfung einerseits und andererseits der Nichtverhinderung schweren Leidens der Menschen zu klären versuchten. Paradox sei auch, dass die Erfahrung von Leid nicht immer von Gott wegführe, sondern eher dichter zu ihm hin.

Deutlich widersprach er aber der früheren Auffassung, dass Leid Strafe Gottes für begangene Verfehlungen (Sünden) sei. Die Bibel berichte vielmehr sehr häufig über Leid und den Umgang damit, z. B. in den Klagepsalmen, dem Buch Hiob und in der Passion Jesu. Schmerz und Leidenserfahrungen würden artikuliert und im Gebet die Verzweiflung vor Gott gebracht. Und auch im Wandern entlang eines Kreuzweges würden durch die Meditation des Leidens neue Perspektiven für den Umgang mit unfassbarem Schmerz eröffnet.

Prof. Beintker schloss mit Auszügen aus dem Buch „Jossel Rackower spricht zu Gott“, in dem Jossel Rackower angesichts seines drohenden Endes im Warschauer Ghetto über die Frage sinniert, ob und wie der Mensch trotz Verfolgung und Leid an Gott glauben kann und zu dem Schluss kommt: „Magst Du mich auch beleidigen, magst Du mich züchtigen, magst Du mir auch wegnehmen das Teuerste und Beste, das ich habe auf der Welt, und mich zu Tode peinigen - ich werde immer an Dich glauben.“ 

Text und Foto: Prof. Dr. Anton Janßen



 
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