St.-Gertrudis-Kirche | St.-Gertrudis-Kirche |
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Seite 1 von 7 Die Pfarrkirche St. Gertrudis Die St.-Gertrudis-Pfarrkirche in Horstmar (Kreis Steinfurt) wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jh. nach vollständigem Abbruch der Vorgängerkirche erbaut, nachdem der neue Landesherr, der Fürstbischof von Münster, zur Hebung der Pfarrseelsorge und der Bildung der Bevölkerung 1325 ein Kapitel für zunächst 6, ab Mitte des 15. Jh. dann 9 Kanoniker gestiftet hatte. Ein solches Kapitel unterschied sich von anderen Ordensgemeinschaften vor allem dadurch, daß die Mitglieder keine gemeinsame Wohnung hatten, sondern einzeln in sog. Kanonikaten (Kurien) wohnten. Derartige Gemeinschaften bezogen sich auf die im 8. Jh. von Bischof Chrodegang von Metz gegebene Lebensregel, dem canon, weshalb man die Mitglieder als Kanoniker bezeichnete. Und da man bei den jeweiligen Zusammenkünften ein Kapitel aus Chrodegangs Regel zu verlesen pflegte, nannte man die Gemeinschaften Kapitel. Der Bau der St.-Gertrudis-Kirche muss dann nach der Stiftung des Kapitels erfolgt sein genaue Baudaten konnten bis heute noch nicht in Erfahrung gebracht werden denn der Grundriss der Kirche zeigt deutlich den Chor einer Ordenskirche, der sich dadurch auszeichnet, dass der Chorraum gegenüber der Normalform um ein Joch verengert ist.Ferner zeigt der Chor mit seinen Gewölben eine in der Hochgotik im Münsterland häufig wiederkehrende Form, dessen Vorbild in der Überwasserkirche zu Münster (erbaut 1340 1346) zu finden ist. Allerdings ist nur der Chor nach dem Vorbild dieser Kirche gebaut, denn das Langhaus zeichnet sich durch ein ungewöhnlich hohes Gewölbe (Domikalgewölbe) in Bezug auf die Säulenhöhe aus. Die Gewölbe sind nämlich von ihrem Ansatz über den Pfeilern bis zu ihrem höchsten Punkt doppelt so hoch wie die Pfeiler und wiederum genau so hoch, wie das Mittelschiff breit ist, während die Pfeilerhöhe mit der Seitenschiffbreite übereinstimmt. Diese Gewölbe unterscheiden sich also ganz erheblich von denen des Chorraumes und sind somit erst später entstanden, worauf auch das uneinheitliche Mauerwerk über dem Chor außen hinweist; wahrscheinlich hat das Langhaus zunächst eine flache Holzdecke gehabt. Vielleicht beziehen sich Stiftungsurkunden aus der Zeit 1402 bis 1407 auf die Mittelbeschaffung für den Gewölbebau. Dieses außerordentlich hohe Gewölbe bestimmt den optischen Eindruck des Innenraumes dieser Kirche und ist im Münsterland einmalig. Nirgends sonst wurde eine so ungewöhnliche Gewölbehöhe erreicht, die 2/3 der gesamten Raumhöhe ausmacht. Und diese Höhe konnte nur dadurch erreicht werden, dass sie einmal über den Pfeilern noch fast 3 Meter senkrecht ansteigen und danach sehr stark ausgebauchte Gewölbeviertel besitzen, also fast die Form einer halbierten Zitrone haben. Hierdurch wirkt das Ganze sehr mächtig, obwohl die Gewölbe nur aus einer einzigen Lage von Ziegelsteinen bestehen. Der Turm ist dann wohl erst um die Mitte des 15. Jh. entstanden und weist ebenfalls einige Besonderheiten auf. So öffnet sich einmal der Turmraum in voller Höhe zum Mittelschiff, was auf rheinische oder flämische Vorbilder schließen lässt. Zudem zeigt das Mauerwerk in Bezug auf die Dicke (150 cm Wandstärke) und Schmucklosigkeit den typischen Charakter eines Wehrturmes auf, und als solcher ist er auch gebaut. Das dritte Stockwerk enthält nämlich an den freien Seiten drei Schießscharten; ferner ist dieses Verteidigungsgeschoß nach außen hin gut abgesichert, denn man kann es nur von außerhalb der Kirche über einen engen runden Treppenturm an der Südwestecke des Seitenschiffs betreten. Vom Treppenturm führt dann eine schmale Brücke über die Kirchenschiffgewölbe zu einer kleinen Öffnung im Turm, die durch eine schwere Panzertür zu verschließen war. Den spitzen Pyramidenhelm hat der Turm allerdings erst erhalten, nachdem der ursprünglich vorhandene Treppengiebel - wie er heute noch in Burgsteinfurt, Metelen oder Schöppingen zu sehen ist - 1861 abgerissen worden war. |
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