Neujahrsgruß von Pfarrdechant Johannes Büll

Neujahrsgruß von Pfarrdechant Johannes Büll

 

Liebe Gemeindemitglieder in Horstmar und Leer,

liebe Besucher unserer Homepage!

 

Zur Jahreswende 2020/2021 grüße ich Sie alle herzlich. Aufgrund der Corona-Pandemie, die uns viele Einschränkungen auferlegt, ist im Jahr 2020 Vieles komplett anders verlaufen als wir es sonst gewohnt waren. Nahezu das gesamte gesellschaftliche und auch kirchliche Leben ist seit dem ersten Lockdown im März 2020 verändert. Und das wird auch im neuen Jahr 2021 fortsetzen.

Die medizinische Entwicklung eines Impfstoffes lässt uns Hoffnung schöpfen. Gott sei Dank! Aber bis alle Menschen, die es wollen, auch geimpft sin, werden noch etliche Monate ins Land gehen.

 

An dieser außergewöhnlichen Jahreswende möchte ich allen Danke sagen, die im zurückliegenden Jahr für andere da gewesen sind und dadurch die schwere Situation erträglicher gemacht haben. Besonders danke ich den Mitarbeitern im Seelsorgeteam und im Krisenstab unserer Pfarrei, die sich mit ganz viel persönlichem Engagement und konstruktiven Ideen für uns alle eingesetzt haben.

 

Und ein mutmachendes Wort möchte ich mit auf den Weg ins neue Jahr geben. Es heißt: »Binde deinen Karren an einen Stern!« Und es stammt von Leonardo da Vinci (1452-1519).

 

Viele kennen Leonardo da Vinci als Maler und wissen, dass die lächelnde Mona Lisa von ihm stammt. Manche kennen ihn auch als genialen Erfinder und wissen, dass er Flugmaschinen, Fallschirme, Wasserturbinen und vieles andere konstruiert hat. Aber nur wenige kennen Leonardo da Vinci als Fabel- und Märchenerzähler und wissen, dass er viele kleine Geschichten und Rätselsprüche aufgeschrieben hat, z.B. diesen: »Binde deinen Karren an einen Stern!«

 

Dieser Spruch erschließt sich nicht sofort, aber wenn wir uns Zeit nehmen, ihn zu entschlüsseln, könnte er zu einem Leitsatz für das neue Jahr 2021 werden.

›Karren‹ könnte stehen für alles, was ich in diesem Jahr zu bewegen und mitzuschleppen habe; für alles, was mir an Prüfungen und Arbeit aufgeladen wird; für alles, was an Verpflichtungen und Anstrengungen auf mich zukommt.

›Stern‹ könnte stehen für das, was mir Orientierung und Wegweisung gibt; für ein leuchtendes Ziel, das mir vor Augen steht; für das, was ich mir für die kommenden Wochen und Monate wünsche, erhoffe, erträume.

»Binde deinen Karren an einen Stern!« – das würde dann heißen: Bring das, was dir als Aufgabe in der nächsten Zeit gestellt ist, mit einem Ziel in Verbindung. Verknüpfe das, was dich gerade beschäftigt und vielleicht belastet, mit dem, was du erreichen willst und für dieses Jahr erhoffst. Lass dich nicht total vereinnahmen von dem, was du jetzt als Ballast empfindest, sondern schau auch nach vorn und nach oben. Dann bleibt dein Karren in Bewegung.

 

Leonardo da Vinci hat gewusst, dass wir nur von der Stelle kommen, wenn wir ein Ziel, ein Ideal, eine Vision haben. So hat er sich ausgemalt, welche Geräte dem Menschen das Leben erleichtern könnten, und hat dann angefangen zu tüfteln und zu konstruieren. Seine Wunschträume haben seine ungeheure Kreativität und Energie freigesetzt.

 

»Binde deinen Karren an einen Stern!« Das könnte daher nicht nur ein Leitsatz für ein Jahr sein, sondern ein ganzes Lebensprogramm.

›Karren‹ könnte auch stehen für alles, was ich im Leben so mit mir herumschleppe: meine Erziehung und meine Veranlagungen; meine Ängste und meine Enttäuschungen; meine Erfahrungen und meine Geschichte.

›Stern‹ könnte dann stehen für meine Sehnsucht nach einem erfüllten Leben; für meine Hoffnungen und Wünsche; für die Ziele, die ich in meinem Leben erreichen will.

»Binde deinen Karren an einen Stern!« – das würde dann bedeuten: Lass dir den Blick auf dein Lebensziel nicht verstellen. Mach dir immer wieder bewusst, wo du hin willst – das wird dir helfen, auch wenn der Karren einmal verfahren ist. Das wird dich motivieren, deinen Lebenskarren – wenn nötig – wieder aus dem Dreck zu ziehen. Wenn du ein großes Ziel vor Augen hast, dann bekommst du auch Kraft und Mut für die kleinen Schritte.

 

Patrick Swayze, der amerikanische Schauspieler, meint: »Wer seine Ziele nicht an den Sternen festmacht, schafft es nicht mal auf den Kirchturm!«

 

Einer, der uns Lebensziele angeboten hat, war Jesus.

In Geschichten und Gleichnissen hat er erzählt, wie ein erfülltes, wie wahres Leben aussehen kann. ›Reich Gottes‹ hat er dieses neue Leben genannt. Diese Vision war seine eigene Kraftquelle, und mit ihr hat er andere motiviert. Weil auch wir unseren Lebenskarren an seinen Zielen festmachen wollen, treffen wir uns in seinem Namen und lassen uns in unseren Gottesdiensten seine Worte unter die Haut gehen. Weil auch wir an seiner Toleranz und Offenheit, an seiner Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeit anknüpfen möchten, beginnen wir das neue Jahr mit der Erinnerung an ihn.

 

»Binde deinen Karren an einen Stern!« Ein Leitsatz für alle, die den Karren nicht einfach laufen lassen wollen.

Ein Programm für alle, die ihr Leben bewusst gestalten möchten.

 

In diesem Sinn wünsche ich uns allen das neue Jahr und das ganze Leben unter einem guten Stern.

Ich denke dabei an den Stern von Betlehem, der in aller Dunkelheit der Welt aufleuchtet und uns zusagt: Gott ist da! Auch im Jahr 2021. Dann wird es ein gutes, ein gesegnetes Jahr.

 

In herzlicher Verbundenheit –

besonders jetzt, da wir uns nicht treffen können –

 

Ihr/Euer Johannes Büll, Pfarrdechant